Blick ins Depot

Immaterielles Kulturerbe: Schutz des flüchtigen Moments

von | Jun 1, 2020 | Blick ins Depot | 0 Kommentare

Am 7. Juni ist Welterbetag. Das versteht man in Lübeck sofort – die Altstadt ist hier ja ein geschlossenes Weltkulturerbe-Ensemble mit ihren Kirchen, dem prächtigen Rathaus, den traditionellen mittelalterlichen Giebelhäusern und den schnuckeligen Gängen dazwischen. Was aber hat das mit unserem Museum und unserer Sammlung zu tun? Einige der Figurentheatertraditionen, deren Objekte wir in der Sammlung haben, gehören auch dazu, genauer, sie sind „immaterielles Kulturerbe“. Dazu erklärt die UNESCO:  

„Der Begriff ‚Kulturerbe‘ hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt und erweitert. Kulturerbe umfasst nicht mehr nur Baudenkmäler oder Kulturgutsammlungen, sondern auch lebendige kulturelle Ausdrucksformen.“

Das ist sehr wichtig für uns, denn es berührt einen zentralen Punkt unseres Selbstverständnisse: Nicht die Objekte, die in diesen Traditionen geschaffen und gespielt werden, sind das Kulturerbe, sondern die (häufig mündlich überlieferten) Traditionen und Ausdrucksformen in den darstellenden Künsten, Bräuche, Rituale und Feste sind es. Also eigentlich das Flüchtige, von dem uns später nur die Relikte in Form von Figuren zum Aufbewahren bleiben.  

2003 wurde von der UNESCO das Übereinkommen verabschiedet, das auch diese flüchtigen Künste und verschiedenste „Formen gesellschaftlicher Selbstorganisation“ schützen soll. 

Kulturerbe Opera dei Pupi

Unsere Sammlung ist reich an Figuren unterschiedlichster Spielformen, die als immaterielles Welt-Kulturerbe anerkannt sind.

So auch die Figuren der sizilianischen Opera dei pupi! Diese Figuren schlummern jede in einem eigenen Schlafsack im Depot. Seit 2008 sind dreizehn Figurentheatertraditionen weltweit in die Liste des Immateriellen Welterbes aufgenommen worden. Diejenigen, zu denen wir Objekte in der Sammlung haben, werden wir in loser Folge vorstellen. 

Gleich am Eingang des Museums, hoch oben an der Wand des Shops hing eine Sarazenenfigur, die den Namen „Umberto“ bekommen hatte – warum, wissen wir heute nicht mehr. Aber es handelt sich um eine sogenannte Figur der Opera dei Pupi. 

Diese sizilianische Figurentheatertradition, deren große, schwere Figuren an einer Eisenstange gespielt werden, wurde als eine der ersten in die Welterbeliste aufgenommen (vgl. UNESCO.org). Neben ihren prachtvollen Figuren – vor allem Ritter in detailreicher Rüstung – zeichnen sich die Opera dei Pupi durch ihr streng begrenztes Repertoire aus: es werden überwiegend mittelalterliche Ritterepen gespielt (Der Rasende Roland oder Torquato Tasso z.B.).  

Der Film der UNESCO zur Tradition der Opera dei Pupi:

Die Opera dei Pupi im Film ‚Rehearsal for a Sicilian Tragedy‘

Für Cineasten noch der Hinweis, dass der italienisch-stämmige amerikanische Schauspieler John Turturro sich seinen sizilianischen Wurzeln in einem Film annäherte und dabei von der Magie der Opera dei Pupi verzaubert wurde: Rehearsal for a Sicilian Tragedy (2009). Hier ist der Trailer: 



Neugierig auf einen Blick in unser Museumsdepot?
In diesem Artikel gibt Dr. Antonia Napp einen Einblick in die Vielfalt der Exponate in unserem Depot in Lübeck.

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