Mehr Pixel, mehr Wissen: Einblicke in die fotografische Objektdokumentation

von | Mai 19, 2020 | Blick ins Depot

In der Rubrik „Blick ins Depot“ möchten wir Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit und die täglichen Aufgaben im Museumsdepot geben. Heute dreht sich alles um das Ablichten von Theaterfiguren: fotografische  Objektdokumentation. 

Ein Foto, viele Verwendungsbereiche 

Die fotografische Dokumentation der Museumsobjekte ist eine zentrale Tätigkeit des Museumsteams und die Voraussetzung für eine weitere Bearbeitung und Erforschung der Figuren. Bei der digital-fotografischen Sammlungserfassung von 2010/11 wurden zwar bereits alle damaligen Sammlungsobjekte fotografiert, aber leider nur im liegenden Zustand. So haben wir beschlossen, neue Fotografien anzufertigen.  

Die Fotografien werden nicht nur für die Sammlungsdatenbank und für Forschungswecke benötigt. Sie dienen auch dazu, den jeweiligen Zustand der Objekte zu dokumentieren. Darüber hinaus verwenden wir die Fotos auch als Bildmaterial für Ausstellungskataloge. Die Objektfotografien werden also vielseitig genutzt und müssen dementsprechend viel können.  

Einige Theaterfiguren fordern das Museumsteam enorm heraus und beanspruchen sehr viel Zeit und Konzentration.  

Bitte einmal stillhalten!  

Marionetten zum Beispiel verlangen den Museumsmitarbeiterinnen viel Geduld ab. Stillhalten entspricht nicht ihrem Naturell. Die oftmals verdrehten Fäden, die sich nur schwer entwirren lassen und auch nach längerem Abhängen ständig in Bewegung sind, machen das Fotografieren von Marionetten zu einem regelrechten Geduldsspiel. Es kann einige Zeit dauern, bis eine scharfe Aufnahme im Kasten ist. 

Aber es ist die Mühe wert. Denn nur wenn Marionetten hängend abgelichtet werden, kommen sie wirklich zur Geltung. Das Spielkreuz darf dabei nicht vergessen werden. Um Marionetten und andere dreidimensionale Objekte, die nicht auf dem Fototisch abgestellt oder anders befestigt werden können, für das Fotoshooting zu fixieren, wurde extra ein Seilzug an der Fotostation angebaut. Das Arbeiten damit funktioniert sehr gut. Allerdings benötigt es für das Fotografieren von Marionetten, zumindest ab einer gewissen Größe, immer mehrere Personen. Es ist also Teamarbeit gefragt.   

Objekte mit Spezialeffekten 

Viel Zeit muss außerdem beim Fotografieren von sogenannten Trickfiguren bzw. Metamorphosen eingeplant werden. Das sind jene Theaterfiguren, die sich auf der Bühne verwandeln können. Eine solche Metamorphose ist diese Marionette der Schichtl-Brüder, sie ist ein Brief und ein Heißluftballon zugleich. Für die Objektdokumentation ist es essentiell, die Funktionalität der Theaterfigur festzuhalten.

 Für dieses Vorhaben holte sich das Team Unterstützung von einem professionellen Fotografen. Sönke Ehlert, der bereits viel Erfahrung im Bereich der musealen Objektfotografie besitzt, staunte nicht schlecht über das Fotomotiv seines ungewöhnlichen Arbeitsauftrags.  

Mehr Pixel, mehr Wissen 

Auch die Beleuchtung spielt natürlich eine wichtige Rolle. Gerade bei schwierigen Materialoberflächen wie beispielsweise bei dieser Aufsatzfigur aus Nigeria.

Die ersten fotografischen Versuche waren unterbelichtet und die Originalfarbigkeit somit kaum erkennbar. Erst die professionellen Aufnahmen gaben die Beschaffenheit des Objekts wieder. Von der Qualität der Fotos hängt viel ab. Insbesondere dann, wenn die Fotografien als Grundlage eines wissenschaftlichen Austausches dienen. Hier ist es besonders wertvoll und gewinnbringend, wenn Details an den Objekten erkennbar sind.  

Mehr Drama bitte! 

Die Figuren in der Sammlung des Theaterfigurenmuseums sind zwar längst ‚abgespielt’ und nicht mehr Bestandteil des aktiven Theaterlebens. Doch sie waren einst Stars auf der Bühne. Auch diesen Aspekt versuchen die Museumsmitarbeiterinnen bei der Objektfotografie zu berücksichtigen, gerade bei Fotografien, die für Ausstellungskataloge bestimmt sind.  

Die performativen Dimensionen der Figuren können zwar nicht eingefangen und auch nicht dokumentiert werden. Aber theatrale Effekte, wie zum Beispiel das Spiel mit Licht und Schatten oder ein schwarzer Hintergrund können einen Hauch Theateratmosphäre in die Fotos einfließen lassen, sodass vielleicht ein kleiner Eindruck entsteht, wie die jeweilige Figur ursprünglich auf der Bühne gewirkt hat. So wie hier am Bespiel des Heißluftballons. 

Zusammen mit professioneller Hilfe entwickelt das Museumsteam die Arbeitsabläufe rund um die fotografische Objektdokumentation stets weiter. Sobald die neue Kamera-Ausrüstung da ist, kann das große Fotoshooting losgehen.  

Als nächste Objektgruppe für das Shooting sind die großen Stabfigurenköpfe aus Mali angedacht. Auch das wird wieder eine herausfordernde Aufgabe, denn ohne Führungsstäbe wird es schwierig sein, die Figuren überhaupt aufrecht zu halten. Aber: Wir nehmen die Herausforderung an und werden uns bestimmt wieder was Gutes einfallen lassen: 

 „Challenge accepted!“  

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Hier findest du alle Beiträge zu unserer Arbeit im Depot.
Sammlungserfassung von 2010/11. 

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